Seit ich mit dem Wort „Value-Engineering“ zum ersten Mal Bekanntschaft gemacht habe ist schon sehr viel Wasser vom Neckar ins Meer geflossen. Im Jahr 1960 heuerte ich gerade bei den Bayerischen Motorenwerken AG in München als Jung-Ingenieur in der Abteilung Fertigungsplanung an, als mir mein Chef das Buch mit dem Titel „Value Engineering“ von Lawrence D. Miles mit der Bemerkung in die Hand drückte „Lese es durch und sage mir, ob es sinnvoll ist, dass wir bei BMW die in diesem Buch beschrie-bene Methode Value-Engineering im Rahmen unserer vielschichtigen Projektarbeit für die produktionstech-nische Entwicklung einer neuen Mittelklasse-Fahrzeugflotte der Modellreihe 1800 bzw.1500 an-wenden sollten“. Mein zustimmendes Credo hat ihn veranlasst, mich als Verantwortlichen für Value-Engineering zu beauftragen.

In vielen einzelnen Projektteams, die interdisziplinär mit Experten für die Entwicklung und Herstellung aller relevanten Fahrzeugkomponenten besetzt waren, konnte ich nun als Moderator in „learning by doing“-Art mehr oder weniger amateurhaft die Vorgehensweise des Systems Value Engineering erproben und weiter entwickeln. Bei der diesbezüglichen moderati-ven Projektarbeit holte ich mir immer wieder methodische Unterstützung bei den Gründern des VDI-Gemeinschaftsausschusses Wertanalyse, in den ich als ehrenamtlich mitarbeitendes Mitglied aufgenommen wurde. Besonders konnte ich dabei von den methodischen und praktischen Denkanstößen der damaligen Experten-Gurus in Deutschland Paul Baier (Robert Bosch GmbH) und Siegfried Händel (Standard Elektrik Lorenz AG) hinsichtlich der funktionsorientierten Lösungssuche profitieren.

Spaeth BesuchBei einer durch den VDI veranstalteten Wertanalysetagung in der alten Oper Frankfurt konnte sich der damalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Herr Lothar Späth, als Festredner von den Vorteilen der Wertanalyse anhand des in einem Projekt entwickelten Quadro/Round-Tables eines namhaften Möbelunternehmens so sehr überzeugen, dass er in Karlsruhe eine Akademie für leitende Beamte des Landes Baden-Württemberg gründete und Wertanalyse als „Maß aller Dinge“ für Vereinfachungen in der staatlichen Verwaltung verordnete. Lothar Späth war nicht nur als Politiker, sondern auch in seiner Rolle als Chef des nach der Wende gegründeten Jenoptik-Konzerns ein überzeugter Förderer der Wertanalyse und ein erfolgreicher Unternehmenssanierer.

Bis heute lebe ich von den vielfältig angewendeten methodischen und praktischen Erfahrungen, die ich bei der Durchführung von Wertanalyseprojekten hinsichtlich der Gestaltung von entstehenden und von bestehenden wertschöpfenden Aufgaben im Rahmen meines langjährigen Berufslebens als Unternehmer in Managerfunktion, als Unternehmensberater, als Pro-jektmoderator, sowie als Trainer und Coach erhalten habe.

Meine vielfältigen Erkenntnisse, die ich bei der Praktizierung des Systems Wertanalyse und der in den jeweiligen Vorgehensschritten der operativen Geschäftsbereiche eines Unternehmens einbringen konnte, haben mir deutlich aufgezeigt, dass nahezu alle derzeitige und wahrscheinlich auch zukünftige komplexe Unternehmensprobleme mit Hilfe der Wertanalyse zu lösen sind. Viele derartige Problembereiche , wie z.B. die konzeptionelle Lösung von zukunftsgerechten Material- und Informationsflussabläufen, kundengerechten Bauplanungen, Just-in-Time-Verfügbarkeit für Instandhaltungsdienstleistungen bis hin zur Gestaltung von automatisierten Arbeitsplätzen und wertschöpfenden Prozessketten, bieten sich u.a. als heiße Themen für eine wertanalytische Projektbearbeitung mit interdisziplinärer Teambesetzung an.

Besonders der seinerzeitige Denkansatz von Larry D. Miles, dass nur in interdisziplinärer Teamarbeit Probleme eines Unternehmens zu lösen sind, ist für die Agilität und Förderung von Menschen auch heutzutage noch wichtig, die an Problemthemen mit kunden-fokussierten und profitablen wachstumsorientierten Zielsetzungen arbeiten. Ich möchte mir wünschen, dass insbesondere die Förderung von motivierten Menschen, die in multidisziplinären Projektteams arbeiten, auch beim Top-Management eines Unter-nehmens angekommen ist und entsprechend bedacht wird.

In diesem Sinne wird das System Wertanalyse zur Lösung vielfältiger komplexer Problemstellungen in der Wirtschaftswelt auch in den nächsten 70 Jahren einen wichtigen Beitrag leisten.

 

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